Der Rhein fließt ins Mittelmeer · Ein Film von Offer Avnon
unsagbar
„Wie bezeugt man die Zeugen? Wie kann man Unsagbares sichtbar machen? Offer Avnon erzählt. Nicht linear. Mit Bildern, mit Stimme und Stimmung und vor allem: aus der Ich-Perspektive. Er setzt sich damit aus: dem, was er erlebt, was ihm gesagt wird, was er sieht und erfährt. Er zeigt, dass Wahrheit und Erinnern nicht anders als in dieser Perspektive zu haben ist. Und dies auf eine Weise, dass man nach dem Film es dieser Stimme nachtun möchte: sich aussetzen, und Zeuge sein".
Dr. Katrin Visse
Katholische Akademie in Berlin
2.12.2025
Ariadnefaden
„Zwischen Sachlichkeit und Traum/ata Kommt: „Der Rhein fließt ins Mittelmeer”, leise und wie ein Fremder, von weit her, aus einer Gegend vor unserer Vorstellungskraft und jenseits des Repräsentierbaren: dem historischen Ereignis der Shoah, gespiegelt im Kaleidoskop der Echos der interviewten Personen und schaut dem Betrachter dabei direkt fragend in die Augen. Dabei fühlt man sich, als ob man einem Detektiv bei seiner Spurensuche über die Schulter schauen darf: Nach und nach wird ein Kraftfeld aus Bezügen und Bedeutungen sichtbar, ein Koordinatensystem, das unsere Wahrnehmung durchdringt wie ein Wasserzeichen – eingelassen in ein Papier, von dem wir schon alles zu lesen geglaubt haben. Wenn man aber das Papier gegen das Licht hält, wird plötzlich etwas sichtbar, was man noch nie gesehen hat. So wird man selbst auf Augenhöhe mitgenommen und wird selbst ein Teil der Bilder, die man sieht – denn was gezeigt wird, ist auch Teil unseres eigenen heutigen Lebens. Wir alle nehmen auf die eine oder andere Weise Stellung zur Shoah. Sie ist nicht Vergangenheit, sondern Teil unserer lebendigen Gegenwart. Dies zeigt uns 'Der Rhein fließt ins Mittelmeer', indem er es uns spüren lässt. Der Verlauf des Films ist ein Ariadnefaden in das Labyrinth des kollektiven Unsichtbaren.“
Dr. Silvia Richter
Goethe Uni Frankfurt
15.5.2024+ 6.11.2024 + 7.11.2024 + 23.5.2025 + 25.5.2025
Transformation
„Ein pointierter, sehenswerter und besonders feinfühliger Beitrag zur Erinnerungskultur in Deutschland. Offer Avnon schafft mit viel Geschick Zwiegespräche zwischen Menschen, die sich nie getroffen haben. Das Publikum lässt er mit der Frage zurück, ob diese Menschen, hätten sie sich jemals kennengelernt, überhaupt miteinander gesprochen hätten. Der feinsinnige Film beschäftigt sich nicht nur mit Vergangenem, sondern transferiert die Fragen der Geschichte ins Jetzt. Offer Avnon lässt das Publikum mit seinem Film einen Blick in seine Gedanken werfen.
Das Filmgespräch mit Offer Avnon eröffnete dem Publikum erweiterte Perspektiven. Der Regisseur und Drehbuchautor gab mithilfe seiner klugen und wohl gewählten Antworten auf die Fragen des Publikums der Veranstaltung eine ganz besondere Wirkung und entließ das Publikum mit Gedanken, die zweifelsohne nachklangen.“
Dr. Katherina Lukat
Stadtarchiv Wiesbaden
8.2.2024
an Erzähltes und Erahntes
„Wir erinnern uns an die Menschen im Film, an Erzähltes und Erahntes, wir erinnern uns an Orte und Gegenstände, denen Geschichte anhaftet, an Sichtbares und Verborgenes, an Landschaften, an Wind, Wasser und – an Stille. Und dann, gerade im Nachhall, werden wir uns des weiten Raums bewusst, den uns der Film eröffnet hat und in dem wir uns selbst und anderen, von Mensch zu Mensch, begegnen können. Nur die Abgründe dürfen wir dabei nicht scheuen.
Danke für Deinen Film, Offer, und danke, dass Du ihn begleitest und uns den Austausch mit Dir ermöglichst.“
Jane Wegewitz
sLAG
8.5.2025 + 12.5.2025 + 2.11.2025 + 5.11.2025
suchen
"Das ist aber auch der Film, der es einem schwer macht, Menschen sofort in Schubladen zu stecken, ohne dass wir vorher versucht haben, ihnen richtig zuzuhören. Und der viele Fragen stellt, ohne direkt Antworten zu liefern und es uns zur Aufgabe macht, nach diesen Antworten selber zu suchen."
Thomas Behm
Die Linse Münster
20.5.2024
noch weiter beschäftigt
„Vielen Dank für Ihren Film, der mich noch weiter beschäftigt. Er berührt viele Fragen, die mich schon länger bewegen, z.B. ob und wieweit die Shoah einzigartig und unvergleichlich ist und in welcher Beziehung Philosemitismus zu Antisemitismus steht. Mir gefällt, dass der Film mehr Fragen stellt als beantwortet, dabei aber auch die Suche nach den Antworten thematisiert. Die vielschichtigen Bilder und Schnitte fand ich so poetisch wie den Titel, ohne dass die Ästhetik den Schmerz überspielt.“
Esther Lauer
GCJZ Göttingen
21.5.2024+
20.11.2024
unter die Haut
„Offer Avnons Film geht unter die Haut und entfaltet eine nachhaltige Wirkung. Mit seinen ruhigen Einstellungen lässt er Raum für eigene Assoziationen und eröffnete durch die eindringliche Bildsprache selbst einer nicht deutschsprachigen Zuschauerin einen intuitiven Zugang zur Thematik. Zugleich gelang es Offer Avnon durch seine freundliche, respektvolle Art der Befragung eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Interviewten in Israel, Polen und Deutschland oft überraschende Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt preisgaben.
So zeigt der Dokumentarfilm in fragmentarischer Form, durch welche Traumata der Holocaust fortlebt und welche Verdrängungsmechanismen bei den Nachkommen der Täter und der Opfer zu beobachten sind. Was prägt die Erinnerung, die Wahrnehmung, das Zugehörigkeitsgefühl, das Bewusstsein, die Identität des Einzelnen? Ist überhaupt eine Annäherung, ein Dialog zwischen Angehörigen von Tätern und Opfern möglich? Jede Antwort wirft neue Fragen auf. Auch der Filmtitel erschließt sich nicht ohne weiteres Nachdenken. So bleibt der Wunsch, diesen intensiven, berührenden Film erneut sehen und weitere Facetten entdecken zu können".
Walburga Rempe
VVN-BdA München
21.11.2025+
25.5.2026
"Betroffenheitsbingo"
(Auszug aus einem langen Bericht): „... und im Nachgespräch mit den Schülerinnen, in dem diese Problematik angesprochen wurde, stellte sich heraus, dass das, was Erwachsene, die sich seit Jahren mit ‚Erinnerungskultur‘ beschäftigen, als ‚Betroffenheitsbingo‘ bezeichnen, von den jungen Leuten ‚echt‘ gefühlt wird.“
Bettina Brunner
Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Bad Tölz
25.11.2025
Mut machen
„Nach dem grausamen und unmenschlichen Überfall der Hamas, einer Situation, in der einen Hoffnungs- und Fassungslosigkeit schnell zu überkommen drohten, war es uns ein Anliegen, diesen Film der Spuren- und Sinnsuche mit einem Publikum teilen zu können, ein Film, der Mut machen kann, ohne einfache Antworten zu liefern.“
Felix Prasser
Traumathek Köln
18.11.2023
Aufgabe
„Ein sehr beeindruckender Dokumentarfilm, der im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Le Chaim – Jüdisches (Er)Leben in Esslingen“ gezeigt wurde. Dokumentarfilm? Ein sehr persönlicher Film des israelischen Filmemachers Offer Avnon, der viele Fragen aufwirft und – glücklicherweise – längst nicht alle beantwortet. Diese Aufgabe überlässt Avnon den Zuschauern selbst.
Noch ein Wort zur Ästhetik des Films: Hervorragend komponiert, tolle Einstellungen, die Nahaufnahmen mit großer Tiefe und genauem Blick auf jedes Detail".
